Friedhof

FÜHRUNGEN ÜBER DIE JÜDISCHEN FRIEDHÖFE veranstaltet von der Kreisvolkshochschule. Anmeldung: Kreisvolkshochschule Ahrweiler, Wilhelmstrasse 23 und telefonisch 02641/9123390 oder per e-mail: kvhsahrweiler@aol.com Referentin: Annemarie Müller-Feldmann (Bad Neuenahr). E-Mail mueller-feldmann@web.de. Gebühr: 6 €, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei). 

Termine:

  • Ahrweiler: Sonntag 19. Juni 2016,  16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof auf der Schützenstrasse.
  • Dernau:  Sonntag, 03. Juli, 16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof                                                              Im Anschluss an die Friedhofsführung ist ein kleiner Streifzug durch den Ort Dernau zu den Wohnhäusern der begrabenen Juden vorgesehen
  • Bad Neuenahr: Sonntag 05. Juni 2016, 16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof, Nachtigallenschlag (Zugang vom Lerchenweg aus).
  • Spuren jüdischer Geschichte in Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Führungen über die jüdischen Friedhöfe in Bad Neuenahr, Ahrweiler und Dernau
    Der jüdische Friedhof in Bad Neuenahr
    Bei der Führung über den jüdischen Friedhof in Bad Neuenahr können Interessierte sich die insgesamt 42 Grabsteine und ihre Geschichte erklären lassen. Auf dem Besichtigungsprogramm steht auch die einzige jüdische Leichenhalle des Ahrkreises. Die Referentin berichtet auch über das zum Teil tragische Schicksal der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Ahrkreis.
    Herren werden gebeten eine Kopfbedeckung zu tragen.
    Termin: Sonntag, 31.05.2015, 16.00 Uhr Treffpunkt: Jüdischer Friedhof, Nachtigallenschlag, Bad Neuenahr Leitung: Annemarie Müller-Feldmann Gebühr: 6.- Euro (entgeltfrei für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre)
    Es wird um rechtzeitige vorherige Anmeldung auch zu dieser Veranstaltung gebeten. (02641) 912 33 90 kvhsahrweiler@aol.comDer jüdische Friedhof in Ahrweiler
    Der jüdische Friedhof in Ahrweilerwurde im Jahre 1871 mit einer ersten Grablegung eingeweiht. Seit dieser Zeit und bis 1960 war er letzte Ruhestätte vieler jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Ahrweiler Aber auch Familien anderer Religionen, bis hin nach köln, bestatten hier ihre Angehörige. Heute finden sich 66 Grabsteine an diesem geweihten Ort. Die Referentin führt zu diesen Grabsteinen, erklärt ihre zumeist hebräischen Inschriften und berichtet über das Schicksal der dort Begrabenen.
    Herren werden gebeten eine Kopfbedeckung zu tragen.
    Termin: Sonntag, 19.07.2015, 16.00 Uhr Treffpunkt: Jüdischer Friedhof in der Schützenstr., Ahrweiler Leitung: Annemarie Müller-Feldmann Gebühr: 6.- Euro (entgeltfrei für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre)
    Es wird um rechtzeitige vorherige Anmeldung auch zu dieser Veranstaltung gebeten. (02641) 912 33 90 kvhsahrweiler@aol.com
    Spuren jüdischer Geschichte in Dernau Führung über den jüdischen Friedhof Der bisher nachweisbar älteste jüdische Friedhof des Ahrtals ist der in den Dernauer Weinbergen in einer Senke oberhalb der „Herdkaule“ am Waldrand gelegene kleine Friedhof, ca. 630 qm groß, mit dreieckigem Grundriss . Wie üblich hatte man auch hier ein landwirtschaftliches nicht nutzbares Areal ausgesucht, denn ein jüdischer Friedhof soll niemals überbaut werden können und als eine in die Landschaft eingefügte Gesamtheit für ewig erhalten bleiben. Im Rahmen dieser Führung erfahren die Teilnehmenden viel Wissenswertes über die Anlage, die hier bestattenden Juden und die teilweise bereits in die Erde eingesunkenen Grabsteine.
    Herren werden gebeten eine Kopfbedeckung zu tragen.
    Termin: Sonntag, 21.06.2015, 16.00 Uhr Treffpunkt: Jüdischer Friedhof Dernau, 1,5 Kilometer außerhalb an der Straße nach Grafschaft-Esch Leitung: Annemarie Müller-Feldmann Gebühr: 6.- Euro (entgeltfrei für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre)
    Es wird um rechtzeitige vorherige Anmeldung auch zu dieser Veranstaltung gebeten. (02641) 912 33 90 kvhsahrweiler@aol.com

GESCHICHTE Am 1. Mai 1860 schrieb der Ahrweiler Jude Samuel Heymann an „ein Königliches Wohllöbliches Bürgermeister-Ambt Dahier“, dass das Bestatten der Leichen auf dem „Altenwegsfriedhof‘ mit großen Schwierigkeiten verknüpft sei und es besonders in den Wintermonaten fast nicht möglich sei, die Leichen dorthin zu bringen. Die Antwort von Bürgermeister Clotten am 13.Juni 1860 bezüglich des neuen Friedhofs außerhalb von Ahrweiler Richtung Neuenahr lautet unter anderem, dass in einer „Tiefe von 5 Fuß noch kein Wasser vorfindlich ist und (ich) trage daher . . . an, dass es gestattet werde dass die Beerdigungsstelle entweder mit einer Mauer oder einer dauerhaften Umzäunung umgeben und ein Thor mit Verschluss an solchem angebracht werde.“
Die nachweisbare Erstbelegung fand am 2.6.1871 statt – es wurde der 68-jährige Michel Wolf aus Lantershofen beerdigt. Die Letztverstorbene fand am 27.11.1960 ihre letzte Ruhe.
66 Grabsteine stehen auf dem gut 900 qm großen Friedhof an der Schützenstrasse, der mit einer 2 Meter hohen Bruchsteinmauer umgeben ist – die meisten mit Text – viele nur hebräisch, einige auch nur mit Namen, manche ohne Namensplatte, ohne Inschrift. Auffällige Lücken und eingesunkene Stellen zwischen den einzelnen Gräbern lassen vermuten, dass auch hier Menschen beerdigt wurden, obwohl die Grabsteine fehlen.
Da die Gebetsrichtung der Juden nach Jerusalem ausgerichtet ist, stehen die Gräber in Ahrweiler in der Süd-Ost-Flucht.
Einige „Mazewot“ werden durch „segnende Hände“ verziert, ein Hinweis auf die Zugehörigkeit des Verstorbenen zur Priesterschaft der Cohanim, Nachfahren Aarons und seiner beiden Söhne. Die Darstellung leitet sich vom Gestus des Segnens ab, den die Priester, die Cohanim, erteilen. Dabei werden die Finger so gehalten, dass sich die Daumen berühren.
Eine Kanne kennzeichnet das Grab eines Leviten, also eines Angehörigen des Stammes Levi. Diese mussten zu Zeiten des Tempels den Priestern vor dem Segnen die Hände waschen.
Angeknickte Blumen sind in der Regel Frauen vorbehalten und geben Auskunft darüber, dass es sich um eine junge Frau oder ein Kind handelt. Auf der Grabstelle eines jungen Mädchens finden wir Mohn, es bedeutet den ewigen Schlaf.
Praktisch endet jede Grabinschrift mit den Buchstaben T.N.Z.B.H =
techie nischmato zrura be zror ha chaim. d.h. den Anfangsbuchstaben der Worte aus dem 1. Buch Samuel, Kap.25 Vers 29 = Seine Seele sei in den Bund des Lebens eingebunden.
Den Sockel unter dem Grabstein finden wir ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zweisprachigkeit (hebräisch und deutsch) breitet sich nach dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts aus. Zur Verehrung und zum Gedächtnis werden heute noch auf vielen „guten Orten“ Kerzen angezündet und kleine Steinchen auf die Grabsteine hingelegt. Der zweite Brauch ist vermutlich eine überlieferte Gewohnheit der Wüstenbewohner, die zum Schutz der Leichen Steinhügel über den Gräbern errichteten, damit diese nicht von wilden Tieren ausgegraben werden konnten. Heute gilt diese Geste als Ausdruck ganz besonderer Verehrung.
An der nördlichen Mauer finden wir eine Gedenktafel. für die Opfer der Naziverfolgung: „1933 – 1945 Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung“.

Annemarie Müller-Feldmann

 

Begehungen und Führungen über die jüdischen Friedhöfe sind hier nachzulesen. Grab-Inschriften, Beispiele: Grab 1  Grab 2  Grab 3

Fotos der jüdischen Friedhöfe Ahrweiler und Bad Neuenahr: Zum Vergrößern die Bilder bitte anklicken.

Ahrweiler