Die Synagoge

30 Jahre Bürgerverein Synagoge/70 Jahre „Reichspogromnacht“

Am 9. November 2008 beging der Bürgerverein Synagoge e.V. das Jubiläum seines Bestehens. 1978 formierte sich unter Leitung von Pfarrer Hans Warnecke die Interessensgemeinschaft um das ehemalige jüdische Gotteshaus. Ebenso wurde des 70. Jahrestags der „Reichspogromnacht“ gedacht, „dessen Wüten einen Steppenbrand in Deutschland auslöste und die Deportation der Juden einläutete…“

Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Dr. Horst Saul

 

Aus dem Text des ehemaligen Bürgermeisters Rudolf Weltken am 09.11. 2008:  „Im Jahre 1894 wurde – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung – diese Synagoge in Ahrweiler eingeweiht. Vom Baumeister Gronert aus Remagen im orientalischen Hufeisenstil gestaltet, war sie eine architektonische Seltenheit. Drei Tage lang, so liest man, wurde mit Konzerten und Bällen Einweihung gefeiert.

Träger der Synagoge war seit 10.07.1899 die Synagogengemeinde Koblenz, die ihrerseits dann das Objekt an den Gastwirt Mathe-Josef Mies, Winzer und Wirt aus der Oberhutstrasse in Ahrweiler, verpachtete. Jahrespachtpreis 2.812,50 RM.

Rudolf Weltken am 09.11. 2008

Die „Reichspogromnacht“ 1938 suchte dann auch die Synagoge Ahrweiler heim. Sie wurde in Brand gesteckt und somit durch die „braune Tyrannei“ entweiht. Nur einem mutigen Feuerwehrmann aus Ahrweiler war es zu verdanken, dass sie nicht völlig ausbrannte…

 

Am 28.08.1939 genehmigte der Landrat des Kreises Ahrweiler die „Entjudung des Grundbesitzes“, mit der Massgabe: „Alles sollte beseitigt werden, was an Juden erinnert“

Keiner hat sich bereit erklärt, die „Gesetzestafeln Moses“ am Dachfirst abzumontieren. Sie zieren damals wie heute den Giebel des Gebäudes.

Unter Vorsitz von Hans Warnecke kaufte dann der „Bürgerverein“ die Synagoge. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler steuerte mit einem 50%igem Zuschuß zu den Zinsen auf 60.000 DM und mit einem weiteren Zuschuß zu den Baukosten bei. Die Stadt wendete nochmals 2.400 DM für die Bestuhlung auf…. „Das klingt heute alles so selbstverständlich und problemlos. Wenn ich an die Jahre 1976-1978 zurückdenke, hatte ich große Sorge, dass das Thema Rekultivierung der ehemaligen Synagoge ein Thema parteipolitischer Auseinandersetzungen werden könnte.“ Offene Briefe an die Presse trugen nicht gerade zur ausgeglichenen Meinungsbildung bei. Die großen politischen Parteien in der Stadt (CDU, SPD) verständigten sich sehr schnell, paritätisch an der Gründung des Vereins mitzuwirken. „Es war keine leichte Arbeit, auch für die Parteien: Insbesondere die älteren Parteimitglieder taten sich schwer, zumal sie in ihren früheren Jahren andere Töne gehört und gelernt hatten. Gott sei Dank übernahmen die jüngeren Vertreter der politischen
Vom Ahrweiler Marktplatz aus sind es nur etwa 150 Meter in westlicher Richtung durch die Altenbaustraße bis zur Synagoge. Sie steht dort direkt gegenüber dem aus dem 13. Jahrhundert stammendem „Weißen Turm“, in dem sich heute das Museum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler befindet. Diese Synagoge ist in einer Reihe mit den gleich hohen Nachbarhäusern gebaut und hebt sich nur durch das Baumaterial aus bräunlichem Sandstein und durch ihre Fassade von ihnen ab. Bestimmend sind die drei Fenster der Giebelseite zur Straßenfront, an denen bis heute der orientalische oder maurische Baustil erkannt werden kann. Der Giebel wird mit zwei Tafeln gekrönt, auf denen in hebräischer Schrift die Anfangsbuchstaben der Zehn Gebote eingemeißelt sind. Hinter der Synagoge befindet sich an der Südseite ein von der Straße nicht zu sehender Anbau, der seinerzeit einen Unterrichtsraum beherbergte und das Treppenhaus als Zugang zur Frauenempore. Der Haupteingang für die Männer liegt an der Westseite, so dass jeder beim Betreten des Gottesdienstraumes von Westen nach Osten geführt wurde. Denn dort an der Ostseite war der Thoraschrein und ein bis heute vorhandener roter Vorhang. Der Bau dieser Synagoge wurde von der jüdischen Gemeinde zu Ahrweiler im Jahr 1893 begonnen und am 21. Oktober 1894 mit der Einweihungsfeier beendet. Bis zur Zerstörung am 10. November 1938 diente sie dieser Gemeinde als Gotteshaus. Einen Tag nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ ist sie innen verwüstet und zerstört worden. Seit diesem Termin hat es in diesem Gebäude keinen regulären jüdischen Gottesdienst mehr gegeben. Die letzten in Ahrweiler lebenden Juden sind am 27. Juli 1942 in die Vernichtungslager deportiert worden. Seitdem existiert die seit dem Mittelalter in Ahrweiler nachgewiesene jüdische Gemeinde dort nicht mehr.

Die Synagoge hat während des zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit eine wechselvolle Geschichte gehabt: Sie gehörte zunächst nach der Zerstörung einem Ahrweiler Hotelier, nach dem Einmarsch der französischen Besatzungstruppen wurde sie enteignet, danach von der französischen Militärregierung an die Ahrweiler Raiffeisenkasse verkauft. Die richtete in ihr ein Düngemittellager ein. Der im Jahr 1978 gegründete Bürgerverein Synagoge e.V. hat 1981 die Synagoge erworben und in den folgenden Jahren bis 1990 in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalspflege renoviert. Heute ist innen und außen der ursprüngliche Zustand weitgehend wiederhergestellt. Die Synagoge ist im Leben der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zu einem wichtigen Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen geworden. Sollte es je wieder eine jüdische Gemeinde im Ahrtal geben, würde sie wieder das sein können, was sie einmal war: Ein Haus der Zusammenkunft und des Gottesdienstes.