Jüdischer Friedhof

 

FÜHRUNGEN ÜBER DIE JÜDISCHEN FRIEDHÖFE veranstaltet von der Kreisvolkshochschule. Anmeldung: Kreisvolkshochschule Ahrweiler, Wilhelmstrasse 23 und telefonisch 02641/9123390 oder per e-mail: kvhsahrweiler@aol.com Referentin: Annemarie Müller-Feldmann (Bad Neuenahr). E-Mail mueller-feldmann@web.de. Gebühr: 6 €, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei). 

Termine:

Ahrweiler: 26. Mai,  16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof auf der Schützenstrasse.

 

Dernau:  9.Juni, 16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof 

 

Bad Neuenahr: 16 Juni, 16 Uhr. Treffpunkt ist der jüdische Friedhof, Nachtigallenschlag (Zugang vom Lerchenweg aus).

 

GESCHICHTE Am 1. Mai 1860 schrieb der Ahrweiler Jude Samuel Heymann an "ein Königliches Wohllöbliches Bürgermeister-Ambt Dahier", dass das Bestatten der Leichen auf dem „Altenwegsfriedhof' mit großen Schwierigkeiten verknüpft sei und es besonders in den Wintermonaten fast nicht möglich sei, die Leichen dorthin zu bringen. Die Antwort von Bürgermeister Clotten am 13.Juni 1860 bezüglich des neuen Friedhofs außerhalb von Ahrweiler Richtung Neuenahr lautet unter anderem, dass in einer "Tiefe von 5 Fuß noch kein Wasser vorfindlich ist und (ich) trage daher . . . an, dass es gestattet werde dass die Beerdigungsstelle entweder mit einer Mauer oder einer dauerhaften Umzäunung umgeben und ein Thor mit Verschluss an solchem angebracht werde."
Die nachweisbare Erstbelegung fand am 2.6.1871 statt - es wurde der 68-jährige Michel Wolf aus Lantershofen beerdigt. Die Letztverstorbene fand am 27.11.1960 ihre letzte Ruhe.
66 Grabsteine stehen auf dem gut 900 qm großen Friedhof an der Schützenstrasse, der mit einer 2 Meter hohen Bruchsteinmauer umgeben ist - die meisten mit Text - viele nur hebräisch, einige auch nur mit Namen, manche ohne Namensplatte, ohne Inschrift. Auffällige Lücken und eingesunkene Stellen zwischen den einzelnen Gräbern lassen vermuten, dass auch hier Menschen beerdigt wurden, obwohl die Grabsteine fehlen.
Da die Gebetsrichtung der Juden nach Jerusalem ausgerichtet ist, stehen die Gräber in Ahrweiler in der Süd-Ost-Flucht.
Einige „Mazewot" werden durch „segnende Hände" verziert, ein Hinweis auf die Zugehörigkeit des Verstorbenen zur Priesterschaft der Cohanim, Nachfahren Aarons und seiner beiden Söhne. Die Darstellung leitet sich vom Gestus des Segnens ab, den die Priester, die Cohanim, erteilen. Dabei werden die Finger so gehalten, dass sich die Daumen berühren.
Eine Kanne kennzeichnet das Grab eines Leviten, also eines Angehörigen des Stammes Levi. Diese mussten zu Zeiten des Tempels den Priestern vor dem Segnen die Hände waschen.
Angeknickte Blumen sind in der Regel Frauen vorbehalten und geben Auskunft darüber, dass es sich um eine junge Frau oder ein Kind handelt. Auf der Grabstelle eines jungen Mädchens finden wir Mohn, es bedeutet den ewigen Schlaf.
Praktisch endet jede Grabinschrift mit den Buchstaben T.N.Z.B.H =
techie nischmato zrura be zror ha chaim. d.h. den Anfangsbuchstaben der Worte aus dem 1. Buch Samuel, Kap.25 Vers 29 = Seine Seele sei in den Bund des Lebens eingebunden.
Den Sockel unter dem Grabstein finden wir ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zweisprachigkeit (hebräisch und deutsch) breitet sich nach dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts aus. Zur Verehrung und zum Gedächtnis werden heute noch auf vielen „guten Orten" Kerzen angezündet und kleine Steinchen auf die Grabsteine hingelegt. Der zweite Brauch ist vermutlich eine überlieferte Gewohnheit der Wüstenbewohner, die zum Schutz der Leichen Steinhügel über den Gräbern errichteten, damit diese nicht von wilden Tieren ausgegraben werden konnten. Heute gilt diese Geste als Ausdruck ganz besonderer Verehrung.
An der nördlichen Mauer finden wir eine Gedenktafel. für die Opfer der Naziverfolgung: "1933 - 1945 Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung".

Annemarie Müller-Feldmann

 

Begehungen und Führungen über die jüdischen Friedhöfe sind hier nachzulesen. Grab-Inschriften, Beispiele: Grab 1  Grab 2  Grab 3

Fotos der jüdischen Friedhöfe Ahrweiler und Bad Neuenahr: Zum Vergrößern die Bilder bitte anklicken.

Ahrweiler

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Bad Neuenahr

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Die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler informiert:

 „Stolpersteine“ erinnern an Opfer der Nationalsozialisten

Erstverlegung 2012

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist“: Mit diesem Satz wendet sich Gunter Demnig im Rahmen seines Projektes „Stolpersteine“ seit Jahren gegen das Vergessen von Millionen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler hat im vergangenen Jahr beschlossen, auch in der Kreisstadt Stolpersteine für in der Nazi-Zeit verfolgte jüdische Bürger verlegen zu lassen. Die Erstverlegung mit Künstler Gunter Demnig sowie ein Themenjahr der Rathaus-Kultur unter dem Motto „Stolpersteine“ mit zahlreichen unterschiedlichen Veranstaltungen sind für 2012 geplant.

Gemeinsam mit dem Bürgerverein „Ehemalige Synagoge Ahrweiler“ und in Kooperation mit dem Stadtarchiv unter Mithilfe des Kreisarchivs recherchiert die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Zeit das Leben der Einwohner, die zwischen 1933 und 1945 deportiert und dann in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden. „Durch die Aufarbeitung der persönlichen Geschichte jedes Einzelnen wollen wir den Namen wieder ein Gesicht geben und somit einen Beitrag zu einem würdigen Gedenken leisten“ so Bürgermeister Guido Orthen.

Rund 27.000 „Stolpersteine“ liegen zwischenzeitlich in mehr als 600 Städten in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Es handelt sich hierbei um 10 x 10 cm große Betonsteine, auf deren Oberfläche sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden jeweils vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort des Opfers mit der Aufschrift „Hier wohnte...“ in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Für die Herstellung und Verlegung der Stolpersteine bietet Künstler Gunter Demnig Patenschaften für 95,- Euro pro Stein an. Erste Spender haben sich bereits bei der Stadtverwaltung gemeldet.

Aus Bad Neuenahr-Ahrweiler sind 1942 mehr als 60 Personen deportiert und ermordet worden, darunter alte Menschen ebenso wie Kinder, vormals vermögende Hotelbesitzer ebenso wie arme Händler. Häufig traf es sogar ganze Familien, wie das schreckliche Schicksal der Familie Ermann aus Ahrweiler zeigt: Die Familie Ermann besaß seit Mitte der 1920er Jahre in der Straße „Auf der Rausch“ ein eigenes Haus, in dem Vater Alfred Ermann eine Viehhandlung betrieb. 1941 wurde er von der Ortspolizeibehörde aufgefordert, sein Haus zu räumen, um es einer „arischen“ Familie zu überlassen. Zusammen mit seiner Frau Julia und den Töchtern Hilde und Ruth musste er in das Haus der jüdischen Familie Gärtner in der Plätzerstraße umziehen. Von hier wurden alle vier Familienmitglieder im April 1942 deportiert. Alfred, Julia und Hilde Ermann wurden im Vernichtungslager Sobibor ermordet, die zum Zeitpunkt der Deportation erst 14-jährige Ruth starb später im Ghetto Theresienstadt.

Auch die alt eingesessene Familie Levy, die in Ahrweiler eine Metzgerei betrieben hatte, wurde fast völlig ausgelöscht: Die Eltern ebenso wie vier ihrer sechs erwachsenen Kinder. In Bad Neuenahr musste Gustav Borg sein Hotel „Stadt London“ in der Poststraße als Sammellager für Juden zur Verfügung stellen. Im April 1942 wurde er selbst aus seinem  Hotel vertrieben, deportiert und ermordet. Auch Gustavs Ehefrau Else, seine Mutter Henriette, seine Tochter Ruth sowie seine Schwester Else mit deren Mann und dem 12-jährigen Sohn Armin ereilte das gleiche schreckliche Schicksal.

Alle diese Menschen hatten jahre- und jahrzehntelang in Bad Neuenahr, Ahrweiler oder Heimersheim ihr Leben verbracht. Doch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft traf diejenigen, die bis 1941 noch nicht aus dem deutschen Einflussbereich geflüchtet waren bzw. denen eine Flucht nicht gelungen war, mit aller Härte. Die Menschen wurden aus ihrem Leben herausgerissen und starben in der brutalen Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten einen grausamen Tod.

Da die Informationen zu den jüdischen Personen äußerst lückenhaft sind, bittet die Stadtverwaltung die Bevölkerung um Mithilfe: Wer hat noch Informationen über jüdische Personen bzw. Familien aus Bad Neuenahr-Ahrweiler? Gesucht werden neben Briefen, Postkarten und persönlichen Unterlagen auch Fotos, z.B. von Schulklassen, auf denen jüdische Schüler abgebildet sind, von Häusern, die von Juden bewohnt wurden etc. Kennen Sie noch Widerstandskämpfer oder wegen ihrer Behinderung (Euthanasie) ermordete Einwohner? Das Rathaus nimmt Informationen gerne montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr unter der Tel. 02641/87-198 und -260 entgegen (Ansprechpartner Karl Walkenbach).

„Die Stolpersteine sollen in erster Linie an die ermordeten Menschen erinnern, aber natürlich auch daran, dass ein totalitäres System wie der Nationalsozialismus auf Menschenverachtung, Gewalt und Terror aufbaut und daher nie wieder zugelassen werden darf“, so Bürgermeister Guido Orthen. Das Themenjahr der Rathaus-Kultur wird sich daher auch verschiedenen Aspekten des Themas „Verfolgung“ widmen. Im Zentrum wird neben der Stolperstein-Verlegung mit Künstler Gunter Demnig eine Ausstellung stehen, welche die Schicksale der Ermordeten zu rekonstruieren versucht.

  

 

Die „Juden-Kennkarte“ von Gustav Borg. Der Bad Neuenahrer Hotelier wurde 1942 deportiert und kam in Polen ums Leben.       Foto: Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

Künstler Gunter Demnig hat mittlerweile über 27.000 Stolpersteine in Deutschland und dem benachbarten Ausland verlegt.   Foto: www. Stolpersteine.com (Fotografin: Karin Richert)

 

 

 
 

 

 

 

Für die Inhalte ist der Bürgerverein Synagoge e.V. Bad Neuenahr-Ahrweiler verantwortlich, des Weiteren verweisen wir auf den Haftungsausschluß der hier (Disclaimer) nachzulesen ist!